Sonntagsgruss des Pfarrers

Sonntagsgruß zum 17. Mai 2026 (7. Ostersonntag)

Guten Tag zusammen,

in diesem Jahr wollte es mit den Bittprozessionen und Messfeier auf den Höfen nicht so richtig klappen. Zuerst musste der Bittgottesdienst mit Pferdesegnung aufgrund einer Tiererkrankung und der damit verbundenen Quarantäne auf dem Rosmarhof kurzfristig abgesagt werden, dann fiel die Prozession in Bachem wegen kaltem Regenschauerwetter buchstäblich ins Wasser. Wir sind spontan betend durch die große Heilig-Geist-Kirche gezogen und haben dort die Vorabendmesse zu Christi Himmelfahrt gefeiert.

Ganz anders verlief es am Freitagabend in St. Ulrich, wo Weihbischof Ansgar Puff Gast war zu einem Impulsvortrag und einem Gespräch mit dem Motto „Leo und Ansgar. Option für die Armen“. Über 30 Personen aus der Pfarreiengemeinschaft und dem muslimisch-türkischen GIVE e.V. waren gekommen und erlebten einen kurzweiligen Abend mit vielfältigen Impulsen für das eigene Tun und das der Gemeinschaft.

Weihbischof Ansgar überraschte mit der Einstiegsfrage: „Um wen geht es heute eigentlich? Sind Sie in der letzten Zeit einer Person (oder Personengruppe) begegnet, wo Sie gedacht haben, die ist wirklich arm?“

Nach einem Moment des Nachdenkens, gab es einige sehr unterschiedliche Antworten: ein Obdachloser auf dem Weg zur Arbeit, der am Straßenrand sein Quartier errichtet hat; eine Person, die schwer krank ist; eine Führungskraft, die zwar alles besitzt, aber der die Menschlichkeit fehlt und so als arm empfunden wird; eine Nachbarin, die fast keine Kontakte hat und ans Haus gebunden ist; eine Flüchtlingsfamilie, die integriert ist, aber von der Abschiebung bedroht ist; Menschen die verstohlen in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen, Drogenabhängige; …

Zusammenfassend eine Äußerung: „Wir glauben, dass sie arm sind, aber sind sie arm?“

In einem 2. Teil des Abends wurden einige Zitate aus dem ersten Lehrschreiben von Papst Leo XIV., das viele Gedanken vom verstorbenen Papst Franziskus enthält, der den Text nicht mehr vollenden konnte. Drei davon gebe ich hier wieder:

  • „Man kann Gott nicht lieben, wenn man nicht auch den Armen Liebe erweist.“ (Nr. 26)
  • „Gott braucht keine goldenen Kelche, sondern goldene Seelen. (Nr. 41)
  • „Ich teile den Wunsch meines verehrten Vorgängers, dass alle Christen den tiefen Zusammenhang zwischen der Liebe Christi und seinem Ruf, den Amren nahe zu sein, erkennen mögen.“ (Nr.3)
  • In seiner kurzen und präganten Vorstellung des päpstlichen Schreibens stellte Bischof Ansgar die provozierende Frage angesichts sinkender Kirchensteuerzuweisungen an die Kirchengemeinden ab 2027: „Ist es nicht gut, dass wir ärmer werden?“

Es kam zu einem regen Austausch über das, was für die materiell oder geistlich Armen in Frechen getan wird und wo es Möglichkeiten gibt, dies zu vertiefen und auszuweiten.

Damit die guten Vorsätze nicht im guten Willen oder Unverbindlichen bleiben, gab Ansgar Puff die 7 Werke der Barmherzigkeit (aus Matthäus 25) in einer modernen, leicht verständlichen Sprache des kürzlich verstorbenen Erfurter Alt-Bischofs Joachim Wanke mit auf den Weg. Sie beschreiben konkrete, menschliche Zuwendung im Alltag.

  1. Einem Menschen sagen: Du gehörst dazu.
  2. Ich höre dir zu.
  3. Ich rede gut über dich.
  4. Ich gehe ein Stück mit dir.
  5. Ich teile mit dir.
  6. Ich besuche dich.
  7. Ich bete für dich.

Der Pfarrgemeinderat wird sich auch mit dem Thema „Liebe zu den Armen“ in seiner nächsten Sitzung befassen.

  • Was können Sie für die Armen tun? Und dann das tun, was zu Ihnen passt, wie Bischof Ansgar einlud.
  • Ein wirklich geistiger Abend (kurz vor Pfingsten!), der noch lange nicht vorbei ist! „Die Armen habt ihr immer bei euch.“, hat Jesus uns mitgegeben (Joh 12,8). Die Armen – eine Lebensaufgabe, der wir uns angesichts vielfältiger Armut und den Veränderungen in Kirche und Gesellschaft neu stellen müssen / sollten / dürfen!

Im heutigen Evangelium sagt Jesus: „Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.“

Gott erkennen und anerkennen als Schöpfer aller Menschen und des Weltalls. An Jesus glauben als derjenige, der uns den Weg zum Himmel weist. In Gemeinschaft seines Geistes, der nicht ausschließt, sondern für alle da ist. Es ist Jesu sehnlichster Wunsch, „damit sie eins sind wie wir“!

  • In Würzburg findet der 104. Deutsche Katholikentag statt.

Beim Eröffnungsgottesdienst zum Fest Christi Himmelfahrt warnte der Würzburger Bischof Franz Jung davor, Religion für politische Zwecke zu missbrauchen. Mit dem Motto „Hab Mut, steh auf!" wage das Katholikentreffen „den Widerspruch gegen alle Machthaber dieser Welt, die sich in Allmachtsfantasien ergehen und diese auch noch religiös verbrämen". Gottes Reich gründe weder auf Gewalt noch auf Unterdrückung oder Einschüchterung.

Die christliche Religion dürfe nicht missbraucht werden zur Rechtfertigung irdischer Herrschaftsansprüche, fügte Jung in seiner Predigt hinzu. „Denn überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet und richten noch heute Blutbäder an." Am Gottesdienst vor der Würzburger Residenz nahmen trotz des Regenwetters rund 11.000 Menschen teil.

  • „Hab Mut, steh auf!" Das gilt auch in unserer Zeit von Verunsicherung, Zukunftsängsten und Veränderungen: „Ich bin mit euch alle Tage“ hat Jesus uns versprochen. Also auch - heute - am 17. Mai 2026!

Das Heilige Land ist wieder etwas aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit geraten. Ich möchte das Thema Religionsfreiheit und Gewalt in Israel gegen Minderheiten aufgreifen und zwei Stimmen zu Wort kommen lassen: Abt Nikodemus und Pfarrer Bingener von den Sternsingern / Missio. 

  • Nach dem Angriff auf eine Nonne in Jerusalem fürchten Christen in Israel zunehmend um ihre Sicherheit. Abt Nikodemus Schnabel von der Dormitio-Abtei in Jerusalem sagte im Deutschlandfunk, man erlebe eine „Enttabuisierung von Christenhass“.

Abt Nikodemus Schnabel sagte, es täte gut, wenn eine prominente Stimme der Bundesregierung „in aller Freundschaft“ sagen würde, dass sie wegen der zunehmenden Gewalt gegen religiöse Minderheiten besorgt sei.

Vor einigen Tagen war in Jerusalem eine französische Nonne am helllichten Tage von einem Mann zu Boden geworfen und getreten worden. Der Angreifer trug ein jüdisches Gebetsgewand.

Abt Nikodemus sprach von einer neuen Dimension der Gewalt gegen Christen und machte dafür unter anderem den rechtsradikalen Minister Itamar Ben Gvir verantwortlich. Dieser habe sich schon vor elf Jahren nach einem Brandanschlag auf eine katholische Kirche in Jerusalem als „notorischer Christenhasser“ gebärdet. Heute sei er in der Regierung für die nationale Sicherheit verantwortlich.

Schnabel warf außerdem Ministerpräsident Netanjahu vor, sich nicht ausreichend solidarisch zu zeigen. Vor 25 Jahren sei das offizielle Israel stolz auf die religiösen Minderheiten im Land gewesen. „Das ist vorbei“, beklagte der Abt.

  • Pfarrer Dirk Bingener, der Leiter von Missio und den Sternsingern in Aachen, wünscht sich auch ein Wort des Zentralrates der Juden zur Situation der Christen im Heiligen Land. Das würde den gemeinsamen Einsatz für Religionsfreiheit stärken.

„In dem vor kurzem vorgelegten Tätigkeitsbericht für 2025 werden eindringlich die Bedrohung durch den erstarkten Antisemitismus wie auch die Gefahren extremistischer Ideologien wie Rechtsextremismus, Islamismus und Linksextremismus beschrieben. Diese Analyse ist richtig, notwendig und verdient breite Unterstützung.

Als wichtigste Interessenvertretung jüdischer Gemeinden in Deutschland spricht der Zentralrat mit gesellschaftlicher und politischer Autorität und setzt sich erklärtermaßen für Religionsfreiheit ein. Daher fällt es auf, dass in den offiziellen Stellungnahmen ein Aspekt der aktuellen Situation im Heiligen Land bislang kaum eine Rolle spielt.

Das Heilige Land ist nicht nur ein Ort jüdischen und muslimischen Lebens, sondern auch Heimat einer kleinen christlichen Minderheit. Deren Lage hat sich in den vergangenen Monaten spürbar verschärft. Kirchenvertreter berichten von zunehmendem Druck und Übergriffen durch jüdische Extremisten und radikale Siedlergruppen. 

Der Zentralrat ist freilich in erster Linie Anwalt jüdischen Lebens. In einer Zeit jedoch, in der Polarisierung zunimmt, ist es wichtiger denn je, komplexe Realitäten umfassend zu benennen. Damit Frieden im Heiligen Land und darüber hinaus möglich wird, braucht es einen umsichtigen interreligiösen Dialog, in dem jede Seite auch das Leid der jeweils anderen sieht und ins Wort bringt.

Damit wird nichts relativiert. Antisemitismus bleibt eine zentrale Herausforderung, hier in Deutschland als auch weltweit. Aber Menschenrechte wie das Recht auf Religionsfreiheit sind unteilbar. Der Einsatz für sie gewinnt an Überzeugungskraft, wenn er umfassend ist. Ein Wort des Zentralrats zur Situation der Christen im Heiligen Land könnte hilfreich sein.“, so Dirk Bingener, der Priester des Erzbistums Köln ist.

Ausblick auf das kommende Pfingst-Wochenende, herzliche Einladung:

  • Familienmesse zum Patrozinium (Namenstag der Gemeinde) am Samstag, 23. Juni, um 18.30 Uhr in Hl. Geist. Der Gottesdienst wird mitgestaltet vom Kirchenchor Cäcilia. Anschließend Gemeindetreff vor der Kirche.
  • Am Pfingstsonntag, 24. Mai, gibt es in St. Ulrich nach der Messe um 8.30 Uhr wieder Kaffee, Tee und Gebäck und die Gelegenheit zum Gespräch. (Alle weiteren Messfeiern finden Sie in den Pfarrnachrichten oder in unseren Medien.)
  • In Fortsetzung der guten ökumenischen Zusammenarbeit von evangelischer, neuapostolischer und katholischer Kirche in der Stadt Frechen (Aktionstag, Aktionswoche u.a.) feiern wir am Pfingstmontag, 25. Mai, um 11.00 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst in St. Severin, der den gemeinsamen Glauben an den dreifaltigen Gott ausdrückt. - Messfeiern sind um 8.30 Uhr in St. Ulrich, um 9.30 Uhr in St. Antonius und um 11.00 Uhr in St. Audomar (traditionell mit Jubelkommunion)
  • Die deutschen Bischöfe rufen zur Pfingstaktion Renovabis auf:

„Viele Länder in Mittel-, Ost- und Südosteuropa stehen vor großen Herausforderungen: Politische Polarisierung, wirtschaftliche Unsicherheit, soziale Spannungen sowie die Erfahrungen von Gewalt, Krieg und Flucht belasten den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vor diesem Hintergrund stellt Renovabis die diesjährige Pfingstaktion unter das Leitwort „zusammenwachsen. damit Europa menschlich bleibt“. Die Kirchen im Osten Europas sind in diesem Sinne engagiert. Durch soziale Hilfen, Bildungsangebote, Versöhnungsinitiativen und die Förderung des interreligiösen Dialogs bauen sie Brücken über Gräben und Grenzen hinweg. Pfingsten erinnert uns daran, dass der Heilige Geist Menschen zusammenführt. Seine Gaben, um die wir heute besonders bitten, stiften Gemeinschaft. Die Welt braucht diesen Geist der Solidarität und der Verbundenheit dringend. So bitten wir Sie herzlich: Unterstützen Sie die wichtige Arbeit von Renovabis durch Ihre großzügige Spende und Ihr Gebet. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!“

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und der Maigesellschaft in Grefrath und allen Gästen ein schönes Maifest in froher Gemeinschaft - auch bei dem farbenfrohen Umzug durch den Ort!

Ihr und euer Christof Dürig

 

Johannes 17,1-11: Gebet des scheidenden Jesus

1 Dies sprach Jesus.

Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte:

Vater, die Stunde ist gekommen.

 Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht!

2 Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben,

damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.

3 Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott,

erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.

4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt,

das du mir aufgetragen hast.

5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte,

bevor die Welt war!

6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart,

die du mir aus der Welt gegeben hast.

Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt.

7 Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.

8 Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin,

und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

9 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich,

sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.

10 Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein;

in ihnen bin ich verherrlicht.

11 Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen,

den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!