Guten Tag zusammen,
zurückgekehrt aus den jährlichen Exerzitien in der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede grüße ich Sie zur „Halbzeit“ der Fastenzeit – zum 4. Fastensonntag „Laetare“ („Freue dich“), der liturgisch die Farbe der Vorfreude – rosa – hat!
Im heutigen Evangelium geht es um das Licht, das Christus ist und in die Welt bringt und so Menschen sehend macht. Dazu später mehr.
In den Exerzitien war das Thema der Abschlusserklärung des Synodalen Weges „Für eine Welt, die Zukunft hat – mit einer Kirche, die Hoffnung macht“ der Leitfaden. Neben der Teilnahme am Stundengebet der Mönche – beginnend um 6.30 Uhr mit Vigil und Laudes (also dem etwa dreiviertelstündigen Morgengebet) – gehörte ein Bibeltext zum täglichen Ablauf dazu.
Das erste Evangelium war das des vergangenen Sonntags: Joh 4,5-42 - Die Frau am Jakobsbrunnen. Der uns begleitende Pater brachte einen für mich neuen Aspekt in die Betrachtung: Samariter und Juden waren bekanntermaßen zur Zeit Jesu keine Freude. Den Jakobsbrunnen gab es allerdings schon vor dem babylonischen Exil (Vater Jakob). Von da gingen die beiden Völker unterschiedliche Wege in der Anbetung. Durch die Begegnung und das Gespräch Jesu mit der Frau überwindet er die Gräben und baut so eine Brücke in die Zukunft: „Die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Joh 4,23f)
Nicht mehr an diesem oder jenem Ort (Garizim oder Jerusalem) wird also angebetet. In der neuen Wirklichkeit, die Jesus schafft, entsteht etwas Neues, das verbindet und Trennendes überwindet!
Ein wahrlich ökumenischer Gedanke für die Zukunft der Kirche(n), der durch diese „Tiefenbohrung“ (am Brunnen!) das grundlegend Gemeinsame hervorbringt!
- Kirche ereignet sich eben nicht nur in der Kirche (im Kirchengebäude), sondern auch da, wo Menschen ansprechbar sind für Jesus und seine Botschaft!
- Welche Orte und „Aktivitäten“ fallen Ihnen dazu ein?
- Diesen Gedanken des Miteinanders können wir – sogar interreligiös und interkulturell - auch auf das Miteinander von Christen, Juden und Muslimen (Abraham als Vater der Glaubenden!) ausweiten…
Dazu „passt“ für mich die große Offenheit und gleichzeitig geistliche Ermutigung in einer schwierigen Kirchenphase, die der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Heiner Wilmer zu Protokoll gibt: er wartet auf die „Überraschungen des Heiligen Geistes".
- Das ist eine tolle Offenheit! Gepaart mit wirklicher Synodalität (nicht nur in der katholischen Kirche!
- Das ist Pfingsten, so meine Meinung! Die „Überraschungen des Heiligen Geistes“ können zu einem Miteinander in unserer pluralen (westlichen) Welt führen, die weitgehend von Individualismus - auch in Glaubens- und Sinnfragen - geprägt ist.
- Wie denken Sie darüber?
In dem für viele überraschend-irritierend spirituellen Statement nach seiner Wahl Anfang des Monats ist er der Frage nach Frauen in den Weiheämtern ausgewichen. Die fromme Formel hat einen doppelten Sinn: Wilmer vermeidet damit zum Amtsantritt die Falle einer Festlegung. Zugleich aber signalisiert er, wo er steht: nicht auf der Seite Johannes Pauls II. und seiner Jünger. Für die kann und darf es in Sachen Frauenweihe keine Überraschungen mehr geben, seit der heilige Papst sie 1994 für ausgeschlossen erklärt hat. Soll der Heilige Geist mal schön woanders wehen!
Wilmer hält die Windrichtung offen. Aber er ist erfahren genug, um zu wissen, dass er damit nicht dauerhaft durchkommen wird. In einer für die Zukunft der Kirche entscheidenden Frage braucht es (irgendwann) das klare Bekenntnis – und weil es um Gerechtigkeit und Glaubwürdigkeit geht, sollte Wilmer damit nicht zu lange warten.
Wie viel Abwertung und Ausblendung von Frauen es in der Kirche immer noch gibt, zeigt Annette Jantzens neues Buch über "die ignorierten Frauen der Bibel" in der kirchlichen Leseordnung. Schwungvoll und schlüssig weist die Theologin nach, dass die Redaktoren – allesamt Männer – bei Zusammenstellung und Kürzung biblischer Geschichten, in denen Frauen eine Rolle spielen, hochselektiv und im Ergebnis manipulativ vorgegangen sind. Eine unselige Verstümmelung der Heiligen Schrift mit gravierenden Folgen. So geht im Gottesdienst die gesamte Tradition weiblicher Prophetie mit ihrer für die Bibel selbstverständlichen Autorität verloren. Prophetinnen wie Debora (Buch der Richter) oder Hulda (2. Buch der Könige), Zeitgenossin von Jeremia, Zefanja, Nahum und Habakuk – von der Leseordnung komplett verschwiegen. Auch die Schilderungen eigenständiger, selbstbewusster Frauen fallen so konsequent zugunsten männlicher Protagonisten weg, dass man es manchmal kaum glauben mag. Warum? Jantzen hat dafür eine so simple wie vielsagende Erklärung: „Männer finden Männer wichtig.“
Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer bezeichnet Jantzens Buch zurecht als „Augenöffner“ und als inspirierende „Einladung, sich mit der Bibel auseinanderzusetzen". Richtig, aber damit nicht genug. Der mutwillig verschüttete Schatz weiblicher Überlieferungen gehört beherzt freigelegt, gehoben und im Gottesdienst gepflegt, damit die Kirche in ihrem Umgang mit Frauen auch wirklich Maß nimmt an dem, worauf sie sich beruft: dem Wort Gottes. Seine Weite bietet dann womöglich auch Raum für Heiner Wilmers Überraschungen meint der Geisltiche aus dem Ruhrgebiet.
Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat sich neulich dazu geäußert, was Christinnen und Christen angesichts der vielen Krisen in der Welt tun können. Die christliche Antwort ist anders als die der Populisten:
„Die Angst zu verlieren, was wir hatten, und vor einer Zukunft zu stehen, die ungewiss und eher bedrohlich aussieht, berührt viele Menschen zutiefst." Gefühle von Ohnmacht hinterließen Menschen nicht selten in ratloser Vereinzelung.
Statt Resignation und Populismus empfiehlt Bischof Bätzing das Handeln in der Spur Jesu: „Handeln hilft. Zuallererst hilft es anderen Menschen und verändert deren Lage. Und wie zum Dank verändert es unsere Empfindungen. Es verändert unsere Empfindungen." Zu helfen, verändere die Wahrnehmung: „Ich muss mich nicht dem Gefühl der Ohnmacht gegenüber der großen Welt ergeben, ich kann, da wo ich bin, etwas machen. Ich bin nicht hilflos; im Gegenteil: Helfen verändert auch mich, rettet auch mich, gibt mir Selbstwirksamkeit zurück."
- Erfreulicherweise gibt es auch in Frechen viele Menschen, die sich für andere engagieren – in unseren christlichen Gemeinden, in Gesellschaft und Politik, in Vereinen und Verbänden, bei der Feuerwehr du im Sozialwesen, in Sport und Kultur, in Vereinen und Verbänden u.a.m. Danke!
Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße rief ergänzend zu Solidarität mit den Menschen in der Ukraine auf: „Mittlerweile gehört es zu unserem Alltag dazu, die schrecklichen Bilder zu sehen, Nachrichten von Angriffen mit Toten und Verletzten zu lesen. Aber wir dürfen uns an diesen Krieg nicht gewöhnen", sagte Heße, der auch Flüchtlingsbischof der Deutschen Bischofskonferenz ist.- Beten wir „für die Getöteten und Verletzten, für die Trauernden, für die Verantwortlichen in Politik und Diplomatie und für alle, die sich für Verständigung und Frieden einsetzen."
- Neben dem Krieg gegen die Ukraine ist nun ein weiterer Krieg im Nahen Osten dazu gekommen, der die Ölpreise in die Höhe treibt und Russland zusätzliches Geld bringt! Beten wir für die Bekehrung der Herzen aller, die die Gewalt beenden könnten!
Im Evangelium (Kurzfassung ohne die kursiven Verse 18-33) geht es heute um das Sehen: Jesus heilt einen Blinden und dabei geht es auch um seine Person!
- Wo bin ich blind? Für andere Menschen? Für die Wirklichkeit? Wie denke ich über andere „Menschen, die blind sind“? Verurteile ich andere, weil sie anders sind?
- Wie stehe ich zu Jesus, seinem heilenden Wort, das sehend macht?
- Jesus sagt über sich selbst: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“
Was sagen Sie über Jesus?
- Lesen Sie das Evangelium meditativ! Vielleicht helfen die genannten Fragen…?!
Das Lied Gotteslob 481 gibt abschließend auch eine Anregung zum Bibeltext:
„Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unserer Zeit; brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr.“
In diesem Sinn: Schönen Sonntag und eine gute Woche, in der Sie Neues sehen (entdecken)!
Ihr und euer Christof Dürig
Johannes 9,1-41: Die Heilung des Blindgeborenen
1 Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.
2 Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt?
Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde?
3 Jesus antwortete:
Weder er noch seine Eltern haben gesündigt,
sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.
4 Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat;
es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann.
5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
6 Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen
7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
Das heißt übersetzt: der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.
8 Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten:
Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
9 Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte: Ich bin es.
10 Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?
11 Er antwortete:
Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen
und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich!
Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen.
12 Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.
13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.
14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht
und ihm die Augen geöffnet hatte.
15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Er antwortete ihnen:
Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich.
16 Einige der Pharisäer sagten:
Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet.
18 Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war.
Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten
19 und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde?
Wie kommt es, dass er jetzt sieht?
20 Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde.
21 Wie es kommt, dass er jetzt sieht, das wissen wir nicht.
Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht.
Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen!
22 Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Christus bekenne, aus der Synagoge auszustoßen.
23 Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst!
24 Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.
25 Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht.
Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe.
26 Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?
27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört.
Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden?
28 Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose.
29 Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat;
aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
30 Der Mensch antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet.
31 Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er.
32 Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.
33 Wenn dieser nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.
34 Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.
35 Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
36 Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube?
37 Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es.
38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.
39 Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen:
damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden.
40 Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies.
Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
41 Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde.
Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.
